CDU Ortsverband Sasbach-Obersasbach
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Ernüchternde Zukunft der Waldwirtschaft

Vortragsveranstaltung der CDU Sasbach/Obersasbach

Sasbach. (GG). Eine dramatische Zukunft der Waldwirtschaft skizzierte der Laufer Revierförster Michael Ratzel bei einem aktuellen Vortrag bei der CDU in Sasbach.

Zu Beginn der Veranstaltung, zu der Ortsvorsitzender Ambros Bühler eine erfreulich grosse  Resonanz bei der Bevölkerung feststellen durfte, teilte er mit, dass die Gemeindeverwaltung aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Zusage des Sasbacher Revierförsters am Veranstaltungsmorgen zurückgenommen habe. Er, so Bühler, freue sich jedoch, dass der Laufer Revierförster Michael Ratzel kurzfristig den Part des Referenten übernommen habe.

Zu Beginn seines, mit viel jugendlichem Charme vorgetragenen Referats, skizzierte Michael Ratzel seinen Zuständigkeitsbereich, der sich auf den Gemeindewald von Lauf aber auch auf den Auenwald Acherns erstrecke. Er führte aus, dass der Orkan „Lothar“ am zweiten Weihnachtstag keinen Unterschied zwischen seinen beiden Revieren gemacht habe. So sind in den Nadelwäldern im Schwarzwald große Schäden festzustellen und auch bei den Mischwäldern hat „Lothar“ erbarmungslos zugeschlagen. Jeder könne die Gewalt des Orkans feststellen, wenn er sich nur die Schäden im Bereich des Friedhofs in der Illenau oder auf den Schwarzwaldhöhen ansehe.

Die gesamte Schadholzmenge in Baden-Württemberg werde auf etwa 20 Mio. Festmeter geschätzt und alleine im Bereich des Forstamts Oberkirch liegen etwa 500.000 Festmeter flach.

In erster Priorität werde nun versucht, die Sturmschäden in Privatwäldern zu beseitigen, da viele Existenzen von privaten Waldbesitzern bedroht seien. Ein Grundproblem stelle  derzeit die Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte dar. So herrschen an den Steillagen des Schwarzwaldes besondere Bedingungen, die auch besondere Gefahren nachziehen. Hier sei nicht nur Fach- sondern auch Ortskenntnis der Arbeitskräfte gefragt. Vordringlich seien, so Ratzel, die Zufahrtswege und die Wasserwege der Auenwälder zu räumen. Ein weiteres Problem einer schnellen Räumung ist auch in der beschränkten Einsatzfähigkeit der vollautomatischen Erntemaschinen, den sogenannten Vollerntern zu sehen, die im Schwarzwald lediglich auf ca. 5 % der Waldfläche eingesetzt werden könnten. Zum Einsatz dieser Vollernter seien befestigte Wege oder ebene Flächen notwendig. Eine weitere Beschränkung liege darin, dass nur Stämme bis zu einer gewissen Stärke verarbeitet werden können. Grundsätzlich sei die Räumung der Wälder nur in Handarbeit zu leisten, was aufgrund der Schadmenge jedoch 3 – 5 Jahre in Anspruch nehmen könne. Die Mindestlänge für eine Verwertung liege bei ca. 4 – 5 m Stammlänge, während abgerissene Stämme vielfach nur noch als Brennholz Verwendung finden könnten. Die Folgeschäden des Orkans seien, so Ratzel, sicherlich noch für Generationen sichtbar.

Eines der größten Probleme sei derzeit im Zeitfaktor zu sehen.  Im März/April droht die Gefahr, dass liegendes Holz von Borkenkäfern befallen wird, die sich dann explosionsartig vermehren und auch die gesunden Waldbestände befallen könnten. Eine Lösungsmöglichkeit liege in der Anlage von Nasslagern. Durch diese Nasslager können zwar Pilz- und Schädlingsbefall verhindert werden, jedoch können im Bereich des Forstamts Oberkirch lediglich für ca. 20 % der Schadholzmenge Nasslager angelegt werden. Da für eine Zwischenlagerung des Sturmholzes in Nasslagern zusätzliche Kosten in Höhe von ca. 50,- je Festmeter für Transport und Bewässerung einkalkuliert werden müssen, können dies nur als Notlösung angesehen werden.

Angesprochen auf die wirtschaftlichen Auswirkungen, führte Revierförster Michael Ratzel aus, dass vor dem Orkan der Preis für einen Festmeter Holz bei ca. 120,- bis 160,- DM lag, bei Aufarbeitungkosten von ca. 40,- DM noch mit einem ordentlichen Ertrag kalkuliert werden konnte. Derzeit müsse man aufgrund der Gefahren und den besonders schlechten Zugangsbedingungen mit Aufarbeitungskosten von ca. 70,-- DM kalkulieren. Außerdem verdichten sich die Anzeichen, dass auch der Holzpreis zurückgehe, so dass die Wirtschaftlichkeit gegen Null tendiere.

Nach einer weiteren Zwischenfrage führte Michael Ratzel aus, dass besonders in Steillagen die Gefahr von Erosionsflächen bestehe. Deshalb sei es wichtig, nach der Räumung des Schadholzes sofort mit der Aufforstung zu beginnen. Für alle Zuhörer war es interessant. dass hierbei nur grosse Schadflächen neu bepflanzt werden müssen, während kleinere Flächen sich selbst erholen.

CDU-Ortsvorsitzender Ambros Bühler bedankte sich bei Revierförster Michael Ratzel für den lebendigen Vortrag, der sicherlich bei vielen Zuhörern auch den Respekt vor der schwierigen Arbeit im Wald geschärft habe. Es sei Michael Ratzel, so Bühler, gelungen, einen umfassenden Einblick in die dramatischen Auswirkungen, die der Orkan angerichtet habe, zu geben und jede Frage aus dem Teilnehmerkreis zur vollsten Zufriedenheit zu beantworten.

Ein weiteres Thema diese lokalpolitischen Abends war der durchgeführte Ideenwettbewerb zur Gestaltung der Ortseingänge. Hierzu informierten die beiden Mitglieder des Preisgerichts Alfons Hauser und Manfred Meier. So wurden insgesamt sieben Vorschläge eingereicht und das Preisgericht sprach eine Empfehlung aus, die im weiteren Verfahren dem Gemeinderat zur Entscheidung  vorgelegt werden solle. Nach einer kontroversen Diskussion zur Gestaltung der Ortseingänge stellte Herr Muth vom Historischen Verein die Planungen vor, Hinweistafeln zur Erklärung der Straßennamen und an historisch wertvollen Gebäuden anzubringen. An der Kirche und am Pfarrhaus seien, so Muth, schon solche Hinweistafeln angebracht, die von der Bevölkerung sehr gut angenommen worden seien. Man kam man zu der Ansicht, dass angestrebt werden sollte, die Hinweistafeln zur Erklärung der Straßennamen bis zur 1.250 Jahrfeier im Sommer zu realisieren.

Als letzter Tagesordnungspunkt wurden die weiteren Terminplanungen des CDU Ortsvereins Sasbach/Obersasbach bekanntgegeben. So soll im Frühjahr eine Betriebsbesichtigung bei der Firma Willi Hahn durchgeführt werden. Die Jahreshauptversammlung wird voraussichtlich am 03.04.2000 stattfinden. Eine interessante Veranstaltung soll dann im Spätjahr mit der Besichtigung des Baden Airpark in Söllingen durchgeführt werden.

Bei seinem Schlusswort machte Ortsvorsitzender Ambros Bühler jedoch deutlich, dass die CDU Sasbach/Obersasbach auch weiterhin spontan Veranstaltungen zu aktuellen Themen anbieten werde.

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