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Kommunalpolitischer Abend
Ortskernsanierung Sasbach
„Seele eines Ortes” muss bei Sanierung gewahrt
bleiben -
Interessante Veranstaltung zum Thema Ortskernsanierung
Sasbach(sp).
„Jeder Ort hat seine eigene Seele
und Identität, das herauszufinden, ist bei einer
Dorfkernsanierung wichtig”. Dies betonte Bürgermeister
Bruno Metz aus Ettenheim, der einer der Referenten des
Kommunalpolitischen Abends des CDU-Ortsverbandes
Sasbach-Obersasbach zum
Thema „Ortskernsanierung und Ortskernbelebung” war.
Verwaltung und Gemeinderat könnten bei einer Sanierung
Impulse eben, die Initiative müsse auch von Bürgern
kommen, so Bruno Metz, der mit seinen Beispielen der
Umsetzung in Ettenheim auch stark auf die „Besinnung auf
die Identität und Authentizität eines Ortes” verwies.
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| Bereich an der Einfahrt zum
Lindenplatz mit den Häusern „Lapp” und „Mast” |
Dass der CDU-Vorsitzende
Ambros Bühler
im Gasthaus Rebstock allein acht Gemeinderäte und auch
Kollegen andere Fraktionen begrüßen konnte, zeigte das
große Interesse an der derzeit laufenden
Dorfkernsanierung und den zukünftigen Planungen.
Enttäuscht war er allerdings, dass von den im Ort
angesiedelten Geschäften niemand anwesenden war, ging es
doch vor allem auch um Fragen wie die Zukunft des
Einzelhandels und die Neugestaltung und Belebung der
Ortsmitte. Vor zwei Jahren habe der Ortsverband eine
Veranstaltung zum Thema Einzelhandel angeboten und ein
Ergebnis war, dass man sich im Gemeinderat Gedanken
darüber machte, die Dorfkernsanierung beantragte und
mittlerweile auch in das Förderprogramm kam. Das
Interesse seitens der Gemeinde bestehe darin, dass vier
Gebäude sowie das Rathaus im Angrenzungsgebiet liegen,
wobei vor allem der Bereich an der Einfahrt zum
Lindenplatz mit den Häusern „Lapp” und „Mast” eine
Detailplanung erfahren müsste.
Ein
zentrales Anliegen vieler Kommunen werde auf Zukunft hin
nicht nur der Wettbewerb um Unternehmen, sondern auch um
Einwohner sein, so Bürgermeister Bruno Metz mit Blick
auf zurückgehende Einwohner- und Geburtenzahlen. Deshalb
müsse man sich Gedanken machen, wie ein Ort so gestaltet
werden können, dass Einwohner bleiben, der Einzelhandel
gestärkt und Impulse für Neuansiedlungen gegeben werden
könnten. In Ettenheim wurde das Konzept in der Weise
umgesetzt, dass die Gemeinde zunächst Straßen, Plätze
und öffentliche Bereiche neu gestaltete und daraus
folgte, dass die Bürger und Unternehmen mit eigenen
Maßnahmen nachzogen und Neuansiedlungen und Aktivitäten
eine „neue Zukunftshoffnung in den Ort” kam. Wichtig war
Bruno Metz der Hinweis, dass alle Überlegungen bei einer
Sanierung nur dann auch fruchten, wenn die
Bürger einbezogen seien und ihre Ideen einbringen
können.
Probleme
und Chancen des Einzelhandels vor Ort beleuchtete
Joachim Schupp von der Beratungsgesellschaft Handel und
Kommune in Freiburg, der feststellte, dass die
Nahversorgung der Bürger derzeit vielen Kommunen im Land
am Herzen liege. Jährlich würden 2000
Lebensmittelgeschäfte in Deutschland schließen, derweil
die Zahl der Discounter auf 14000 stieg und diese 40
Prozent Marktanteile in Lebensmittelbereich hätten. Der
Gemeinde Sasbach bescheinigte Joachim Schupp gegenüber
anderen Gemeinden gleicher Größe eine gute Versorgung
auch mit 13 Gasthäusern, ein Problem sei aber die Nähe
zu Achern, wo sich eine sehr gute Struktur im
Einzelhandel befinde und ein Jahresumsatz von 155
Millionen Euro erzielt werde. Rein rechnerisch liege die
Kaufkraft in Sasbach und
Obersasbach bei rund 27 Millionen Euro, von denen
lediglich 20 Prozent im Ort verblieben. Hier bestehe
noch ein Potential für den Ort und im Blick auf alle
Altersgruppen, so Joachim Schupp, der dem Argument
widersprach, dass nur ältere Leute in ihrem Wohnort
einkaufen. „Die über 65 Jährigen haben heute eine hohe
Mobilität”. Für nicht realistisch hielt er den
Vorschlag, dass in besagtem Bereich am Lindenplatz und
durchaus sehr gutem Standort ein Unternehmer komme,
500000 Euro investiere und ein Lebensmittelgeschäft
eröffne. Für die Ansiedlung eines solchen sei eher die
Umnutzung von Gebäuden vorstellbar und ein Konzept, das
in einer Art „Hofladen” auf gute regionale Produkte und
Qualität setze.
Dass
Sasbach eine über 1250 Jahre alte Geschichte und mit dem
Haus „Mast” ein einmaliges historisches Zeugnis hat,
zeigte der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte,
Carl Muth, auf. Die Hofanlage besteht aus Wohnhaus,
Scheune und Stallungen, wobei sich das Haus im ersten
Besiedlungsring unmittelbar vor der ehemaligen
Friedhofsmauer befinde, die den Kirchplatz umschloss.
Das Besondere an diesem letzten noch erhaltenen
typischen Kleinbauernhof bestehe
darin, dass die Bewohner ihren Lebensunterhalt durch
einen Handwerksberuf und die Kleinlandwirtschaft
bestritten. „Handwerk und Landwirtschaft waren über
Jahrhunderte hinweg die Zelle der
Sasbacher Familien”, betonte Carl Muth und
verwies darauf, dass diese Tatsache das
denkmalgeschützte „Kulturgut” ausmache und für die
nachfolgenden Generationen bewahrt werden müsse. Aber
auch der Standort des Hauses in der Ortsmitte, die Nähe
zur Pfarrkirche und die Angrenzung an die Kirchhofmauer
seien für die Gemeinde einmalig. Der Verein für
Heimatgeschichte habe der Gemeinde Nutzungsvorschläge
gemacht, bei denen es nicht um ein neues Museum, sondern
um ein „Haus der Begegnung” für die Bürger und Vereine
gehe. Darin könnte nicht nur das Leben und Arbeiten in
früherer Zeit dargestellt werden, auch kleinere
Ausstellungen und Veranstaltungen wie in
Mösbach und
Önsbach wären denkbar. Der
Vorsitzende betonte, dass die Gemeinde als Eigentümerin
eine Verantwortung für den Erhalt des Hauses habe und es
den Bürgern zurückgeben müsste. Die Diskussion brachte
viele gute Ideen und die Erkenntnis, dass eine
zukunftsorientierte Planung nur in Kooperation von
Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern zu verwirklichen
ist.
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