Strahlenbelastung durch Mobilfunk
Großes Interesse bei
Veranstaltung der CDU Sasbach/Obersasbach
Sasbach.(GG). Große Resonanz bei
der Bevölkerung hatte die Veranstaltung des
CDU-Ortsverbandes Sasbach/Obersasbach zu
Strahlenbelastungen durch Mobilfunk, die unter dem Thema
„Machen uns Handys krank?“ stand.
Vorsitzender Ambros Bühler freute
sich, einen vollbesetzten Saal zu diesem interessanten,
aber auch kontrovers diskutierten Thema begrüßen zu
dürfen. Bei seinem Grußwort ging Bühler auf historische
technische Entwicklungen und Neuerungen ein, die ähnlich
kontrovers diskutiert wurden. So hatten sich Beobachter
bei ersten Atombombentests mit Sonnenbrillen geschützt,
während beim anderen Extrem eine Geschwindigkeit von
mehr als 30 km/h bei Einführung des Automobils für
gesundheitsschädlich gehalten wurde. Grund genug, so
Ambros Bühler, für den CDU-Ortsverband, eine
Veranstaltung anzubieten, bei welcher der Versuch
unternommen werden solle, etwas mehr zur Aufklärung
beizutragen. Das große Interesse bei der Bevölkerung
führe er, so Bühler, auch auf die geplante Aufstellung
eines nahezu 30 m hohen Mobilfunksendemastes auf dem
Gebäude der neuen Obstannahmestelle beim neuen
Sportgelände in Sasbach zurück.
Als erster Referent informierte
Prof. Dr. Karl Ehinger von der Fachhochschule Karlsruhe
über die physikalischen Grundlagen und die Grenzwerte,
die Gesundheitsschäden durch Strahlung verhindern
sollen.
Prof. Dr. Karl Ehinger ist als
Physikprofessor schon seit Jahren mit dem Thema befasst,
machte anhand physikalischer Grundlagen deutlich, dass
Handys im D1 und D2-Netz mit 900 MHz, im E-PLUS-Netz mit
ca. 1,3 GHz, beim neuen UMTS-Netz mit 1,8 – 2,2 GHz
abstrahlen, während ein Mikrowellenherd schon mit 2,45
GHz abstrahlt. Um eine Bindung im Körper aufzubrechen,
die dann Krebs verursachen kann, ist die
Stahlenbelastung durch Handys etwa eine Million mal zu
niedrig, so Ehinger. Die Strahlenbelastung durch
Mobilfunksendestationen sei 1000-fach kleiner und damit
ungefährlicher als durch Handys. Um die
Strahlenbelastung zu begrenzen, werden von der Politik
Grenzwerte festgelegt, deren Überschreiten jedoch nicht
unbedingt gesundheitsschädliche Folgen nach sich ziehen
müsse. Die Grenzwerte wurden in Deutschland nach den
Vorschlägen einer internationalen Kommission in der 26.
Auflage der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV)
festgeschrieben. Jedoch sei bei der Betrachtung der
jeweiligen national festgelegten Grenzwerte kein
einheitliches Vorgehen festzustellen. So gibt es in
England einen wesentlich höheren Grenzwert als in
Deutschland, während in Russland und China die
Grenzwerte nur ca. den 45. Teil des deutschen
Grenzwertes betragen.
Im Bereich von
Mobilfunksendemasten betrage die Strahlungsaufnahme, je
nach Standort, lediglich 0,5 bis 0,01 % der erlaubten
Grenzwerte. Bei der Mobilfunksendeanlage in
Bühl-Balzhofen konnten bei Auftreffen der Strahlung auf
die Erdoberfläche, in 590 m Entfernung des Sendemastes,
noch eine Belastung von 0,013 % des Grenzwertes
festgestellt werden. Auch Ergebnisse bei Tierversuchen,
so Ehinger, brachten bislang keine
gesundheitsgefährdenden Erkenntnisse.
Als Fazit seines Vortrags stellte
Prof. Dr. Karl Ehinger fest, dass die größte Gefahr das
Telefonieren im Auto sei, da die Ablenkung zu einer
erhöhten Unfallgefahr führe und auch beim Telefonieren
mit einer Freisprechanlage die Stresssituation zu einer
um 16 % höheren Herzfrequenz führen würde.
Weniger optimistisch sah der
zweite Referent Dieter Jossner die Gefahrenquelle durch
Strahlenbelastungen. Dieter Jossner, Physiker,
Biophysiker und Nachrichtentechniker, entwickelt mit
seinem Unternehmen medizinische Geräte . Auf dem Gebiet
des Einflusses von elektromagnetischen Wellen auf den
menschlichen Körper steht Jossner an vorderster Front
der technischen und medizinischen Entwicklung.
Zu Beginn seines Vortrags ging
Jossner auf das komplizierte Nervensystem des
menschlichen Körpers ein. So befinden sich im
menschlichen Körper 100.000 – 500.000 km Nervenkabel,
von welchen u.a. die Bildung von ca. 10 Mio. neuen
Nervenzellen pro Sekunde gesteuert werden. Bei diesen
unglaublich hohen Zahlen, sei es nachvollziehbar, dass
die Erforschung des menschlichen Nervensystems noch
lange nicht beendet sei und man bei weiten derzeit nicht
abschließend sagen könne, was für das Nervensystem
gefährlich oder ungefährlich sei. Jossner, dessen
Vortrag etwas populistischer aufgebaut war, berichtete
von einem Praxisversuch an der Universität Heidelberg,
bei welchem die Auswirkungen von
Hochfrequenzbestrahlungen auf Hühner erforscht wurden.
So seien bei diesem Praxisversuch jeweils 180 Hühnereier
getestet worden. Während bei Hühnereiern, die keiner
Bestrahlung ausgesetzt wurden, 159 Tiere geschlüpft
seien, von denen auch nach 6 Wochen noch 156 Tiere
gesund waren, seien bei einer Strahlenbelastung, die
jedoch wesentlich über der Belastung liegt, die von
Handys ausgeht, nur 3 Tiere geschlüpft, von denen nach 6
Wochen keines mehr lebte. Dies verdeutliche jedoch, so
Jossner, die große Gefahr, die Strahlungen verursachen
können.
Jossner berichtete auch von
Erfahrungen und Beobachtungen, die er als Hobbyflieger
gemacht habe. So seien Bäume in Einzugs- und
Strahlungsbereich von Sendemasten stärker geschädigt als
vergleichbare Baumgruppen, die keiner Strahlung
ausgesetzt sind.
Mit der Aussage: „Wenn man etwas
verstecken will, hat man auch etwas zu verstecken“,
kommentierte Jossner ein Bild, welches eine künstliche
Palme in Brasilien zeigt, in die ein Sendemast
integriert ist. Zu den Diskussionen um die Aufstellung
von Sendemasten merkte Jossner an, dass jeder
Handybenutzer ein potentieller Verursacher von
Sendemasten sei. Die Anzahl der Sendemasten müsse sich
in Zukunft schon allein aus technischen Gründen
erheblich erhöhen, da höhere Frequenzen, wie z.B. beim
UMTS, weniger Beugung zulassen, deshalb die Schall- und
Sendestrahlen weniger um die Kurve gehen können und zur
flächendeckenden Abdeckung mehr Sendemasten benötigt
werden.
Jossner sah die Diskussion um
Einhaltung oder Nichteinhaltung von Grenzwerten
wesentlich kritischer als Prof. Dr. Ehinger, da Biologie
schon weit unterhalb von meßbaren Situationen
stattfindet, wie z.B. Schallwellen deutlich machen
würden. Auch die punktuelle Festlegung von Meßpunkten
berge Gefahren in sich, da hierbei keine
Spitzenbelastungen festgestellt werden könne. „Wenn ich
eine kritische Situation beim Autofahren erlebe,
produziert mein Körper in genau diesem Moment mehr
Adrenalin. Was nützt es da, wenn ich eine Stunde später
meinen Adrenalinwert feststellen lasse?“, so Jossner zu
seiner Einschätzung der gängigen Messverfahren.
Auf eine konkrete Frage aus dem
Zuhörerkreis zu Auswirkungen von Handys auf
Herzschrittmacher, merkte Jossner an, dass keine Gefahr
zu befürchten sei, da der technische Standard von
Herzschrittmachern auf höchstem Niveau liege und von
Handys nicht zu beeinflussen sei. Auch gebe es keine
Strahlungsgefahr durch das Satelitenfernsehen. Die
Strahlung sei so gering, dass ein Parabolspiegel
notwendig ist, um die Strahlen zu bündeln.
In seinem Schlusswort machte
Jossner nochmal deutlich, dass die unbewusste Strahlung
immer mehr zunimmt. „Unbestrahlt ist auf der Erde bald
nichts mehr“, so Jossner als Fazit seines Vortrags. Die
Gefahren durch Strahlenbelastung seien ein so komplexes
Thema, da Umweltursachen wie Luftfeuchtigkeit die
Messergebnisse auch noch beeinflussen.
In seinem Schlusswort bedankte
sich Ortsvorsitzender Ambros Bühler bei den beiden
Referenten für die Vorträge, die doch etwas zur
Aufklärung beigetragen haben. Es sei deutlich geworden,
so Bühler, dass ein so komplexes Thema nicht bei einer
Abendveranstaltung abschließend geklärt werden könne,
sondern auch in Zukunft weitere Aufklärung notwendig
sei. Er hoffe jedoch, dass die Besucher der
Veranstaltung mit etwas mehr Hintergrundinformationen
über die Gefahren der Strahlenbelastung durch Handys
ausgestattet werden konnten.
 |